Aufklärungsprojekt

Das Aufklärungsprojekt von ABqueer bietet in Schulen und Jugendeinrichtungen Bildungsveranstaltungen für Kinder und Jugendliche an. Wir sprechen über Geschlecht, Sexualität und Liebe, die Vielfalt von Sexualität, über Familienformen, Rollenbilder und Transgeschlechtlichkeit, über Diskriminierungen und was sich dagegen tun lässt. Seit 1990 führen wir jährlich etwa 80 Veranstaltungen durch. Wir arbeiten mit einem erweiterten Peer Education Ansatz, d.h. unsere Teamer_innen sind junge Erwachsene bis 27 Jahre, die sich selbst als lgbtiq definieren und eine projektinterne Ausbildung durchlaufen haben.

Hier finden Sie Infos zu unserer Arbeitsweise, den Methoden, Inhalten und vielen mehr.

Teamsitzung Aufklärungsprojekt

Warum das nötig ist

Geschlecht und Sexualität sind für die meisten Jugendlichen wichtige Themen. Von Klassenkamerad_innen, Erwachsenen und Medien werden sie mit widersprüchlichen Rollenbildern, Verboten und Erwartungen konfrontiert. Sie dürfen ihre Sexualität entdecken, aber bitte nicht zu früh, sollen ihren Körper mögen und zugleich teure Pickelwasser und Diätpulver kaufen. In diesem Spannungsfeld fehlt vielen Jugendlichen der Raum, sich offen zu fragen, wie sie leben möchten. Die Gefahr, aus einer Gruppe herauszufallen und selbst Opfer von Ausgrenzung und Diskriminierung zu werden, erhöht den Druck zu normiertem Verhalten.

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Jugendliche geraten dabei häufig ins Abseits, erleben Angst, Ausgrenzung oder Mobbing. Schule wird dann zu einem Ort der Bedrohung. Eine solche Situation macht erfolgreiches Lernen unmöglich und kann Probleme wie Verhaltensauffälligkeiten, Drogenmissbrauch oder Selbstverletzung nach sich ziehen.

Laut Berliner Schulgesetz soll die Schule allen Kindern und Jugendlichen eine bestmögliche Förderung bieten und sie auf das Leben als Erwachsene vorbereiten. Das bedeutet auch, einen kompetenten und respektvollen Umgang mit Diversität zu erlernen, sei es in Bezug auf Hautfarbe, Religion oder eben sexuelle Orientierungen.

Was das bringt

Workshop Aufklärungsprojekt

Durch das Aufklärungsprojekt erhalten Kinder und Jugendliche einen Raum, um über Sexualität und Geschlecht zu sprechen, über Unterschiede, Diskriminierung und Respekt. Sie lernen Menschen kennen, die offen schwul, bisexuell, lesbisch, transgeschlechtlich oder queer leben. Und sie sehen, dass es möglich ist, sich gegen gesellschaftliche Normen zu entscheiden. So wirken unsere Veranstaltungen als Antidiskriminierungs- und Empowermentarbeit, die Berührungsängste abbaut und alle Teilnehmer_innen ermutigt, Normen zu hinterfragen, über sich selbst nachzudenken und respektvoll miteinander umzugehen.

Einen Eindruck von unserer Arbeit erhalten Sie auch in unserem Info-Film.

Arbeitsweise

In unseren Veranstaltungen arbeiten wir mit den Kindern bzw. Jugendlichen. Das heißt: die Lehrer_innen oder sonstigen pädagogischen Fachkräfte, die uns eingeladen haben, sind in der Regel während des Workshops nicht mit anwesend. Denn unsere Erfahrung zeigt, dass es oft leichter ist, mit Außenstehenden über Ausgrenzungen, Geschlechterrollen und Sexualität zu sprechen.

Nach Abschluss der Veranstaltung führen wir mit Ihnen als Lehrer_in oder Pädagog_in ein kurzes Nachgespräch. Hier erhalten Sie einen Überblick über den Verlauf der Veranstaltung und werden über offene Diskussionsstränge, wichtige Themen und mögliche Schwierigkeiten informiert.

Workshop Aufklärungsprojekt

Methoden

Zu Beginn der Veranstaltung teilen wir die Gruppe in der Regel in kleinere Lerngruppen auf, häufig getrennt nach Geschlechtern, da sich viele Themen so leichter besprechen lassen. Transgeschlechtliche Teilnehmer_innen dürfen sich in diesen Fällen eine Gruppe aussuchen.

Wir verwenden eine Vielzahl erprobter und abwechslungsreicher Methoden aus der Antidiskriminierungspädagogik und Sexualpädagogik. Mit ihrer Hilfe thematisieren wir Sexualität, Geschlechterrollen und Diskriminierungen, schaffen Platz für Unsicherheiten und lautes Nachdenken, fürs Kichern, Rotwerden und Schweigen.

Neben diesen Methoden arbeiten wir stark mit dem biographischen Ansatz. Wir bringen dafür unsere eigenen Geschichten mit, vom Coming-Out, von der Reaktion unserer Eltern, von erlebten Diskriminierungen und erfolgreichem Widerstand. Diese Geschichten sind es oft, die die Brücke schlagen zu den Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen und uns miteinander ins Gespräch bringen.

Inhalte

Welche Inhalte bei einer Veranstaltung im Vordergrund stehen, hängt immer auch von den Fragen, Problemen und Erfahrungen der Gruppe ab und vom Kontext, in dem wir eingeladen wurden. Wir sprechen zum Beispiel über Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft, über selbstbestimmte Sexualität, Coming Out- Erfahrungen, über Schimpfwörter, Regenbogenfamilien, Diskriminierungserfahrungen und Gruppenzugehörigkeiten. Gern stimmen wir uns vorher mit Ihnen ab, welche Themen Sie gerade für besonders wichtig halten.

Workshop Aufklärungsprojekt

Erfahrungsberichte

„Mit welchem Gefühl gehe ich in so eine Veranstaltung? Da sind Freude, Anspannung und Nervosität. Ich möchte das die Kids offen für mich und meine Geschichte sind, etwas davon mitnehmen und so Diversitäten in die Welt tragen. Auf der anderen Seite hoffe ich, dass sie auch mal nein sagen, wenn sie auf ein Thema oder ein Spiel keine Lust haben“. (Luca, Teamer beim Aufklärungsprojekt)

„Es ist immer wieder toll zu merken, wie durch Erzählen aus dem eigenen Leben Vertrauen entsteht, die Schüler_innen empathisch werden gegenüber einer Lebensrealität, die vorher nur ein Wort war – „lesbisch“. Geschichten-Erzählen und die persönliche Begegnung sind das Magische am Aufklärungsprojekt.“ (Annika, Teamerin beim Aufklärungsprojekt)

„Danke, dass ihr so offen mit uns geredet habt und euch nichts peinlich war!“ (Svenja, 9. Klasse)

„Ihr habt unsere Fragen erst genommen.“ (Sevim, 7. Klasse)

„Ich weiß jetzt viel mehr und habe weniger Angst vor dem Thema.“ (Murad, 6. Klasse)

„Unser Ziel ist auch, dass die Teilnehmer_innen erkennen, dass Homo- und Trans*-/Interphobie nicht nur Auswirkungen auf lesbische, schwule, trans*- und intergeschlechtliche Menschen hat, sondern alle Menschen in der Vielfalt ihrer Identitätsfindung und -entwicklung einschränkt.“(Elisabeth, Teamerin bei teach out)

(Alle Namen sind aus Datenschutzgründen geändert.)

AKTUELLES

16. November 2020

Queeres Kompetenzzenrum in Berlin-Friedrichshain eröffnet

1. September 2020

Wir sind umgezogen!

1. August 2020

COVID-19 oder der Laden läuft…