Diversität verankern
Queere Lebensrealitäten in der Eingliederungshilfe
Queere Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung stehen häufig vor besonderen Herausforderungen. Sie bewegen sich in Lebenswelten, in denen Themen wie sexuelle und geschlechtliche Vielfalt oft wenig sichtbar sind. Gleichzeitig fehlen barrierefreie queere Angebote, sowie Möglichkeiten, sich mit anderen queeren Menschen auszutauschen. Viele queere Beratungsangebote, Community-Räume und Veranstaltungen orientieren sich an sprachlichen und kognitiven Normen und sind dadurch für Menschen mit geistiger Behinderung nur eingeschränkt zugänglich. Gleichzeitig gibt es bislang nur wenige inklusive queere Angebote, die ihre Lebensrealitäten gezielt berücksichtigen.
Mehrfachdiskriminierung verstehen
Hinzu kommt, dass queere Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung häufig von mehreren Formen der Diskriminierung gleichzeitig betroffen sind. Queerfeindlichkeit und Ableismus verschränkt sich dabei häufig mit Rassismus, Klassismus, Sexismus, Fettfeindlichkeit oder anderen Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung. Durch Diskriminierungserfahrungen innerhalb von Behörden, Verwaltungen oder Einrichtungen des Hilfe- und Versorgungssystems. Dadurch entsteht häufig ein berechtigtes Misstrauen gegenüber Institutionen und Unterstützungsangeboten.
Was wir vermitteln möchten
Damit Fachkräfte queere Menschen professionell begleiten und unterstützen können, braucht es mehr als Wissen über geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. Entscheidend ist ein Verständnis dafür, wie unterschiedliche Identitätsmerkmale und Diskriminierungserfahrungen zusammenwirken und welche Auswirkungen dies auf Vertrauen, Kommunikation und Teilhabe haben kann. Diversität verankern unterstützt Fachkräfte dabei, Handlungssicherheit im Umgang mit Vielfalt und Diskriminierung zu entwickeln und queersensible Perspektiven in ihren beruflichen Alltag zu integrieren.
Was wir anbieten
Was: Fortbildungen zu Queerfeindlichkeit in der Eingliederungshilfe
Für wen: Träger der Eingliederungshilfe, Betreuende und weitere Fachkräfte der Eingliederungshilfe
Wer macht’s: Fachkräfte aus den Bereichen Antidiskriminierungsarbeit von ABqueer e.V.
Ort: vor Ort oder digital per Zoom
Länge: in der Regel drei Zeitstunden
Sprache: Die Fortbildungen finden in deutscher Lautsprache statt.
Inhalte der Fortbildungen
Die Fortbildungen vermitteln Fachwissen zu folgenden Themen:
- Lebensrealitäten queerer Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung
- Verschränkung von Queerness und Behinderung
- Intersektionale Diskriminierung, insbesondere im Zusammenspiel von Queerfeindlichkeit, Ableismus, Rassismus, Klassismus, Sexismus und Fettfeindlichkeit
- Auswirkungen von Diskriminierung auf Vertrauen, Kommunikation und Teilhabe
- Queerfeindlichkeit in der Eingliederungshilfe erkennen und professionell damit umgehen
- Good-Practice-Beispiele für eine diskriminierungssensible Gestaltung von Einrichtungen und Unterstützungsangeboten
- Reflexion der eigenen professionellen Rolle und Entwicklung von Handlungsmöglichkeiten für den Arbeitsalltag
Mithilfe praxisnaher Methoden reflektieren die Teilnehmenden ihre berufliche Praxis und entwickeln gemeinsam Handlungsmöglichkeiten für einen diskriminierungssensiblen Umgang mit Vielfalt. Die Fortbildungen verbinden wissenschaftliche Erkenntnisse mit Community- und Erfahrungswissen und greifen aktuelle Entwicklungen aus Forschung und Praxis auf.
Warum braucht es Diversität verankern
Diversität verankern ist ein Teilprojekt des senatsgeförderten Projekts „Queerfeindlichkeit solidarisch entgegentreten“. Mit dem Projekt trägt ABqueer zur Umsetzung der Berliner Landesstrategie für queere Sicherheit und gegen Queerfeindlichkeit bei. Im Mittelpunkt steht die Sensibilisierung des Hilfe- und Versorgungssystems für Queerfeindlichkeit sowie die Stärkung diskriminierungssensibler Strukturen durch Bildungsangebote.
Das Hilfe- und Versorgungssystem umfasst viele unterschiedliche Arbeitsfelder. Deshalb setzt Diversität verankern zunächst einen konkreten Schwerpunkt auf die Eingliederungshilfe. Gerade hier bestehen bislang wenige Fortbildungsangebote, die die Verschränkung von Queerness und Behinderung sowie intersektionale Diskriminierung systematisch aufgreifen. Ziel des Projekts ist es, diese Leerstelle zu schließen und Fachkräfte dabei zu unterstützen, queere Lebensrealitäten besser zu verstehen und professionell zu begleiten.
Seit Januar 2026 befindet sich das Projekt im Aufbau. Um die Fortbildungen an den tatsächlichen Bedarfen der Praxis auszurichten, führen wir eine Beratungsreihe mit queeren Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung durch. Ergänzend lassen wir uns von Teilhabefachberatenden sowie Expert*innen aus der Behindertenhilfe, queeren Communitys und dem Behindertenrechtsaktivismus beraten und bauen ein fachliches Netzwerk auf. Das dabei gewonnene Community- und Erfahrungswissen bildet die Grundlage für die Entwicklung unserer Fortbildungsangebote.
Buchungsanfrage
Sie möchten eine Fortbildung für Ihr Team anfragen oder haben Fragen zum Projekt? Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht an
diversitaet.verankern@abqueer.de.

